Rückblick „Wandern und Kultur Seuzach“ – Greifvogelstation vom 24. Juni

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Nach den schwierigen Monaten im Banne des Corona-Lockdowns atmeten wir auf: Eine Wanderung von Andelfingen über die Steubisallmend nach Berg am Irchel versprach frische Waldluft in fröhlicher Gesellschaft mit dem verlockenden Ziel einer Führung in der dortigen Greifvogelstation.
Sigrid Gratz
Bei herrlichem Sommerwetter zogen wir los, passierten den Volkemer Chileweg und kamem am «Paradisli» vorbei, ortskundig geführt von unserem Pfarrer Hans-Peter Mathes. Ein feines Mittagessen auf der Terrasse des «Rübis&Stübis»-Restaurantsbei den Thurauen liess die Wanderkräfte wieder steigen. Wir erreichten nach kurzem Aufstieg die Greifvogelstation und wurden dort von Kurt Blum, einem freiwilligen Helfer, und dem stellvertretenden Leiter Marc aus England zu einer ausführlichen Führung durchs Gehege empfangen.
Jedes Jahr werden Tausende verletzte, kranke und verwaiste Wildtiere bei Wildtierstationen zur Pflege abgegeben, die von engagierten Leuten ehrenamtlich und in enger Zusammenarbeit mit Tierärzten geführt werden. In vielen Fällen gelingt es ihnen, ein Tier wieder so fit zu machen, dass es in die Wildnis entlassen werden kann. Aber immer wieder muss auch ein Tier eingeschläfert werden, weil es keine realistische Chance auf eine vollständige Genesung oder eine erfolgreiche Auswilderung hat. Die Wildtierstationen folgen einer ethischen Verpflichtung, leidenden Tieren zu helfen.
Die Greifvogelstation Berg am Irchel weist eine erstaunliche Erfolgsquote aus: Um die 80 Prozent der aufgenommenen Vögel können nach der Reha wieder ausgewildert werden. «Das freut uns enorm», sagt Kurt Blum. Zirka 250 Vögel werden hier jedes Jahr betreut und gepflegt. Die Hauptklientel sind Mäusebussarde, Turmfalken und Rotmilane. Viele davon weisen Brüche an Flügeln und Schulterknochen auf, weil sie mit einem Fahrzeug oder einer Fensterscheibe kollidiert sind. «Solche Fälle bringen wir ins Tierspital Zürich, wo sie geröntgt und allenfalls chirurgisch behandelt werden», wird uns erklärt. «Danach kommen sie zur Weiterbehandlung und Pflege in unsere Station zurück. Die Vögel erholen sich zunächst in sichtgeschützten Pflegeboxen, wo sie ruhig sitzen, bis ihre Verletzungen geheilt sind. Anschliessend unternehmen sie gemeinsam mit anderen Vögeln ihre ersten Flugversuche in kleineren Volieren. In der grossen Flugvoliere, der letzten Station, stärken sie ihre Muskulatur, bevor wir sie dann in die Natur freilassen können.»
Auf dem Rundgang öffnet Kurt Blum kurz eine Box nach der anderen: Mit grossen Augen schauen uns die Patienten an – mal ein Wanderfalke, ein Rotmilan, Turmfalke oder eine Waldohreule. Der grosse Uhu sitzt ruhig da und beginnt leise zu fauchen. Vorsichtig wird er an den Füssen gepackt und herausgehoben, damit seine scharfen Krallen nicht verletzen: Es ist Fütterungszeit, und zudem soll er untersucht und gewogen werden. Ein spannender Augenblick, so nahe dieser grössten Eule der Welt zu kommen. In der Schweiz sind Uhus stark gefährdet, ihr Bestand wird nur noch auf 200-230 Brutpaare geschätzt. Zu Gesicht bekommt man diese in der Dämmerung aktiven Vögel nur sehr selten. Dieses noch junge Exemplar hatte wahrscheinlich auf der Suche nach seinem neuen Revier einen Zusammenprall mit einem Fahrzeug.
Die Greifvogelstation in Berg am Irchel trägt seit mehreren Jahren auch dazu bei, den Habichtskauz in Österreich wieder anzusiedeln. Auch dieses Jahr konnte ein Küken des hier in einer Voliere lebenden Elternpaars Strixi und Sidra aufgezogen werden, das in wenigen Tagen im Wienerwald seine neue Heimat finden wird. Die Habichtskäuze sind die zweitgrösste Eulenart in Mitteleuropa.
Die anschliessende «Theoriestunde» anhand von vielen ausgestopften Modellen war sehr beeindruckend und forderte unsere Biologie-Kenntnisse der Schulzeit heraus.
Seinen Einsatz für die Greifvögel begründete Andi Lischke, der Leiter der Greifvogelstation in Berg am Irchel, nicht allein aus ethischen Motiven, es sei auch ein Beitrag zum Artenschutz gefährdeter Populationen. Mit Führungen und Vorträgen sollen Besucher für die Probleme der Greifvögel und den so wichtigen Schutz ihrer Lebensräume sensibilisiert werden.
Das ist seinem Team auch heute ganz sicher gelungen!

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