Von der Siblingerhöhe zur heiligen Barbara, Gipsbergwerk Schleitheim

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Mit Bus, Zug und nochmals Bus reisten am 26. August 19 Interessierten über Andelfingen, Schaffhausen bis zur Siblingerhöhe im Klettgau. Dabei war das Umsteigen in Andelfingen eine kleine, zeitliche Herausforderung, aber niemand wurde zurückgelassen.
Heinrich Weber
Das Alprestaurant Babental war das erste Ziel unserer Wanderung, das wir nach einer guten Stunde auf Schusters Rappen und bei intensiven, munteren Gesprächen erreichten. Hier genossen wir – für einige etwas spät – Kaffee und Gipfeli und vorallem die herrliche Aussicht auf Schleitheim, Schloss Stühlingen und den Süd-Schwarzwald. Sichtlich angetan hat es einigen von uns der Hofhund Balou, ein ausgewachsener Bernhardiner. Der anschliessende Fussmarsch führte uns bei stürmischem Wind ins Grenzdorf Schleitheim. Dort blieb genug Zeit, um der reformierten Kirche mit ihrem eindrücklichen, mit farbigen Ziegeln gedeckten Spitzturm einen Besuch abzustatten. Und da war auch Gelegenheit zum Singen. ‘Donna nobis pacem’ erklang im Kanon geleitet von Annkatrin Isaacs und eine kurze Meditation durch Hans-Peter Mathes leitete über zum Mittagessen. Dieses genossen wir im nahe gelegenen Gasthaus Brauerei und es wurde abgerundet mit Kaffee und Schlaatemer Rickli, einem leckeren Süssgebäck in Form einer Schlaufe.
Mit zwei Bussen gings dann zum eigentlichen Höhepunkt des Tages, die Besichtigung des Gipsbergwerks Schleitheim. Die kundige Führung durch Herrn Uli Stamm, dessen Grossmutter die letzte Besitzerin das Bergwerks war, begann mit einem Rundgang im kleinen Museum. Dabei erfuhren wir, dass bereits im 17. Jahrhundert in Schleitheim Gips abgebaut wurde. Schriftlich belegt ist die Nutzung von Schleitheimer Gips 1709 beim Bau und der Innenausstattung der Klosterkirche in Rheinau. Im Vordergrund stand allerdings die Verwendung von Gipsmehl als Ackerdünger bis ins frühe 20. Jahrhundert. Das Aufkommen von Kunstdünger bedeutete das Ende der Gipsfabrik Schleitheim. Die Stollen wurden dann versuchsweise als Obstlager und mit mehr Erfolg als Lager der örtlichen Bierbrauerei verwendet. Aus Gründen der Arbeitsbeschaffung wurde der Gipsabbau zwischen 1927 und 1944 nochmals in Betrieb genommen.
Die Statue der heiligen Barbara mit der brennenden Kerze steht am Eingang des begehbaren Stollens. Nach einem klaren ‘Helm auf’ durch Herrn Stamm ging es im Gänsemarsch und stark gebückt in den Berg. Von der ehemals 1700 Meter langen Anlage sind heute noch rund 200 m gut gesichert begehbar. Verschieden grosse Abbaustellen sind mit lebensgrossen, der damaligen Zeit entsprechenden Darstellungen (Bergwerksarbeiter, Werkzeuge, mit Gipsstein gefüllte Loren) informativ ausgestattet. Grössere Säle erinnern an vergleichbare, zugängliche Höhlensysteme. Wie in diesen sehen wir kleine Seen, und sie tragen Namen, wie ‘Frauenbad’, ‘Männerbad’ oder ‘Tonhalle’. In letzterem nutzen wir die gute Akkustik, um einen weiteren Kanon (Lobet und preiset) zu singen. Die vielfältigen Eindrücke sprengen den Rahmen dieses Berichtes. Wir können aber den Besuch des Gipsbergwerks Schleitheim nur bestens empfehlen.
Unser grosser Dank gehört Verena Wolfer und Hans-Peter Mathes für die Organisation, und wir freuen uns schon jetzt auf die Ausflüge im nächsten Jahr.

Text: Heinrich Weber
Fotos: Brigitta Schumacher
Wandern und Kultur
25.09.2020
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